Wir befinden uns mitten in einer Zeit des Nicht-Wissens. Selbst die scheinbar stabilen Wirtschaften Europas, Nord-Amerikas und Asiens hat der winzige Virus ins Schleudern gebracht. In Schwellenländern wie Brasilien oder Indien sind die menschlichen und ökonomischen Folgen deutlich gravierender. Die Auswirkungen für die einzelnen Volksökonomien vorherzusagen, ist unmöglich. Noch ungewisser sind die wirtschaftlichen Verwerfungen in weiten Teile Afrikas.

Eine sichere Erkenntnis hat die Pandemie aber bereits gebracht: Die Solidargemeinschaft ist wieder als essentielles Fundament ins Bewusstsein unserer Gesellschaft gerückt. Denn Lockdown, Abstandsregeln und alle anderen Gebote der Stunde dienen nur bedingt dem Einzelnen. Vielmehr sollen zum einen besonders gefährdete Risikogruppen vor einer Ansteckung geschützt werden. Zum anderen soll die Belastung des Gesundheitssystems im Rahmen bleiben. In Deutschland scheint beides einigermaßen gelungen zu sein, soweit man dies wenige Monaten nach dem Ausbruch von Covid-19 sagen kann.

Jenseits dieser Maßnahmen war es für viele Mitmenschen überraschend zu sehen, welche Berufsgruppen in der Krise den Laden am Laufen halten, sprich: systemrelevant sind. Die Arbeitsplätze jener Menschen, die sich um die Beseitigung des Mülls kümmern, an der Kasse des Supermarkts sitzen, Busse fahren, im medizinischen Bereich arbeiten und vieler anderer sind für unsere Gesellschaft nicht minder wichtig wie die jener Banker, deren Jobs nach 2008 vom Staat gerettet wurden – vielleicht sogar noch wichtiger.

Beide Beobachtungen bilden für mich einen möglichen Rahmen unserer Lebensart für die Zeit nach Covid-19. Das nachhaltige Wohl der Gemeinschaft muss in jedem Bereich wieder Grundlage für das Handeln werden. Selbstverständlich gilt dies auch für die Wirtschaft. Denn der extreme Marktliberalismus, der in den vergangenen Jahren das wirtschaftliche Handeln dominierte, hat Ziele wie Nachhaltigkeit oder Solidarität durch eine kurzfristige Gewinnmaximierung ersetzt. Das hat einige wenige sehr reich gemacht, viele aber an den Rand der Existenz getrieben. Die Mittelschicht ist gleichzeitig merklich ausgedünnt.

Damit ist auch die Basis für ein neues Wirtschaftswunder, auf das viele Unternehmen nach der Krise hoffen, merklich kleiner geworden. Es gilt daher, diese Mittelschicht wieder zu nähren. Vielleicht auch, indem jene neu entdeckten systemrelevanten Berufe, Löhne bekommen, die ihre Wichtigkeit in der Gesellschaft widerspiegeln.