Pharmazeutische Grundstoffe aus Indien, elektronische Bauteile aus China oder Taiwan, Fahrzeugbauteile aus Südkorea, Kanada oder Mexiko. Wie fragil die globalisierte Welt ist, hat der Zusammenbruch der Lieferketten während der Corona-Krise mit voller Wucht gezeigt. Nicht wenige Unternehmen und politische Führungskräfte haben nun damit begonnen, die Strategie der weltweiten industriellen Vernetzung zu hinterfragen.

Mit den protektionistischen Tendenzen in den USA unter Trump oder dem zunehmend totalitären Staatskapitalismus Chinas durch Xi Jinping, der nur asymmetrische Zusammenarbeit zulässt, gab es aber bereits vor der Krise ausreichend Warnsignale, dass das System nicht mehr reibungslos funktioniert.

Nun also die Schocktherapie durch die Pandemie. Sie beschleunigt einen Prozess, der kein Abgesang auf die Globalisierung sein darf. Allein schon deshalb, weil der Wohlstand in Deutschland in weiten Teilen mit der erfolgreichen Exportwirtschaft verbunden ist. Aber auch jenseits des Eigeninteresses: Die globalen Handels- und Wirtschaftsgeflechte sind so eng geknüpft, dass ein radikales Auftrennen unweigerlich den Zusammenbruch vieler nationaler Industrien nach sich zöge. Darüber hinaus erinnere ich gerne an ein Bonmot Hans-Dietrich Genschers: „Solange man miteinander redet, schießt man nicht aufeinander.“ Oder auf die Globalisierung bezogen: Wer miteinander Handel betreibt, wird keine Kriege miteinander führen. Bestes Beispiel hierfür ist die Montanunion aus den frühen 1950er-Jahren, die ein zentraler Baustein für die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich war – und nebenbei der Nukleus für die EU.

Vielmehr darf bei einer Entscheidung zum Outsourcing künftig nicht mehr die Kostenminimierung eine zentrale Rolle spielen. Für Schlüsselkomponenten muss die absolute Sicherstellung der Lieferkette im Vordergrund stehen. Eine Nähe von Zulieferer und Abnehmer erleichtert diese. Doch selbst bei einer geographischen Nähe können Protektionismus oder andere restriktive Maßnahmen durch populistische oder gar autoritäre staatliche Strukturen weitere Hürden in der Lieferkette darstellen.

Es ist daher an der Zeit und ganz im Sinne eines „Responsible Management“, verpflichtende ethische Kriterien in eine Globalisierungsstrategie einfließen zu lassen und diese in CRM und CSR zu implementieren. Inwieweit werden Menschen- und Arbeitnehmerrechte in einem Land eingehalten? Wie steht es um dessen Anfälligkeit für Korruption? Werden Freiheiten eingeschränkt?

Der Freedom House Index, der Global Peace Index oder der Corruption Perceptions Index lassen sich als Quellen heranziehen.