Citius, altius, fortius. Das Höher, Schneller, Weiter des Sports scheint für viele Unternehmen eine der zentralen Handlungsmaximen. Für Führungsriegen rund um den Globus gilt es, Umsätze und Gewinne fortwährend zu steigern, koste es, was es wolle.

Im Spitzensport lassen sich heute Höchstleistungen in fast allen Fällen nur noch mit Hilfsmitteln erzielen – und viel zu oft kommen dabei unerlaubte Requisiten zum Einsatz. Nicht nur der Diesel-Skandal deutet darauf hin, dass es in der Wirtschaft vielerorts nicht anders ist. Vorhandene Compliance-Regeln und CSR-Leitlinien führen offenbar nicht dazu, dass ein Unternehmen bzw. seine Führungsriege wirtschaftliches Doping bereits in seinen Ansätzen ablehnt.

Meines Erachtens liegt dies an einem tradierten Verständnis des Managements-Begriffs und der daraus folgenden Praxis, deren Kernfrage lautete: „Was bringt am meisten?“. Dies führte bei unzähligen Managern zu einer Fokussierung auf die Anwendung und Umsetzung von Techniken und Wissen. Doch die Frage, ob das alles richtig oder falsch ist, wird in diesem Verständnis hintan oder erst gar nicht gestellt. Sie ist aber heute nötiger denn je. Denn die finanziellen Schäden, die die Softwaremanipulationen an Dieselmotoren mit sich brachten, gehen in die Milliarden. Und der Vertrauens- und Imageverlust von Unternehmen ist enorm. Aktuell ist abschließend nicht kalkulierbar, ob und wie sich dieser ideelle Verlust überhaupt kompensieren lässt.

Verantwortlich denkende und handelnde Manager sollten sich zum Schutz des eigenen Unternehmens daher einem neuen Verständnis von Managements zuwenden. Dem Begriff der ‚Verantwortung‘ fällt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Verantwortung muss sich zu einer verpflichtenden Verantwortlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Partnern, Lieferanten und der Gesellschaft wandeln. Im wissenschaftlichen Umfeld hat sich der Begriff „Responsible Management“ eingeprägt, worunter eine Unternehmensführung verstanden wird, die auch und besonders die Motivationen und Bedürfnisse von Menschen in den Fokus rückt. Ein solches verantwortliches Management ist keine Revolution. Vielmehr sehe ich darin einen evolutionär integrativen Ansatz, um Ethik und Wirtschaft miteinander zu verbinden – und dabei einen wesentlichen Schritt weiter zu gehen, als Compliance und klassische CSR es aktuell tun.

Verantwortliches Management bedeutet Gewinnorientierung statt -maximierung. Also eine Abkehr von der Effizienz hin zur Effektivität. Im Sinne eines verantwortlichen Managements ist auch die Partizipation der Stakeholder in allen Prozessen notwendig. Entlang der gesamten Supply Chain, also auch bei Zulieferern und Mitarbeitern entstehen dabei Feedbackschleifen. So entsteht ein Diskurs, der Kritik und Selbstkritik ermöglicht, was zu einem immerwährenden Lernprozess führt.

Innovation wird in diesem Verständnis unter der Vorgabe vorangetrieben, dass sie gesellschaftlich relevant ist. Und: Unternehmerische Entscheidungen müssen jederzeit von außen nachvollziehbar sein, was eine maximal transparente Kommunikation voraussetzt.

Ganz im Sinne von „Tue Gutes und rede darüber“ gilt zudem: Lobbyarbeit für ein verantwortliches Management in der jeweiligen Branche oder bei der Politik sind Teil dieser Neudefinition.