Ein Blick auf die Geschichte zeigt sehr früh und kulturübergreifend Ansätze, Gemeinwohl in die Gesellschaft einzubringen, sei es in der Philosophie, Staatstheorie oder Ökonomie. Niedergeschriebene Hinweise findet man schon in der Antike, zum Beispiel bei Cicero, der konstatierte: „Das Wohl des Volkes soll oberstes Gesetz sein.

Gerade in einer Zeit, in der es ein „simpler“ Virus geschafft hat, Missstände in einer auf Effizienz getrimmten Weltwirtschaft deutlich aufzuzeigen, rückt diese alte Idee wieder in den Fokus. Es geht um nichts weniger, als um die Entwicklung eines nachhaltigen und gleichzeitig zukunftsfähigen Wirtschaftssystems. Ein System, das sich nicht allein den Profit zum Ziel setzt, sondern ethische Prinzipien in den Mittelpunkt unternehmerischen Handelns stellt. Dabei darf ich daran erinnern, dass das Wohl der Allgemeinheit bereits im Grundgesetzartikel 14 (2) fest mit Eigentum verknüpft ist.

Doch trotz dieser verfassungsrechtlichen Basis hat eine enthemmte Wirtschaft, die im Endeffekt nur das Wachstumsziel verfolgt, großes soziales Ungleichgewicht, Umweltzerstörung und Klimawandel hervorgerufen. Deshalb ist eine Neuausrichtung an ethischen Werten mehr als sinnvoll. Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und ein Miteinander sind die Dreh- und Angelpunkte, an denen Befürworter der Gemeinwohl-Ökonomie die Wirtschaft messen und lenken wollen. Eine Umorientierung unternehmerischer und teilweise auch politischer sowie gesellschaftlicher Werte unter sozialen Kriterien würde bedeuten, in eine Zukunft ohne Flüchtlingsströme und Regenwaldabholzung zu investieren. Dass eine solche Entwicklung allen dient, liegt klar auf der Hand.

Doch wie bei jeder Theorie ist der Prüfstein die Umsetzungsmöglichkeit. Wie können die Ideen der Gemeinwohl-Ökonomie in das bestehende Wirtschaftssystem eingebaut werden? Die Bewegung schlägt zur Umsetzung ihrer Ziele unter anderem eine Eingliederung von Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Gemeinden nach einem Punktesystem vor. Je nach dem Beitrag, den die Institutionen leisten, kann eine Gemeinwohl-Bilanz errechnet werden, anhand derer sich Verbraucher orientieren können. Darüber hinaus soll die Bilanzierung zum Beispiel mit handfesten Vorteilen für die jeweiligen Institutionen verbunden sein. Bereits jetzt unterstützen viele Unternehmen die Bewegung in Regionalgruppen oder Vereinen, unter anderem der nachhaltig-innovative Outdoor-Ausrüster VAUDE oder die Ecosia GmbH, die mit den Einnahmen der gleichnamigen Suchmaschine Bäume pflanzt.