Durch Digitalisierung zu mehr Agilität


Dr. Manfred Ziegler
CEO, Gründer und Gesellschafter
der conzima GmbH.

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Willkommen in der digitalen Diaspora

Wenn über den Einfluss der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt gesprochen wird, beschränkt sich das oft auf zwei Aspekte: Arbeitgeber sehen das Potential, Kosten zu minimieren, Arbeitnehmer die Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Dabei zeigen Untersuchungen, dass beide Seiten von der digitalen Entwicklung profitieren können – wenn Unternehmen mit der Zeit gehen und auf kontinuierliche Entwicklung setzen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat in einem Kurzbericht bereits vor einigen Jahren untersucht, wie die Digitalisierung den Arbeitsmarkt beeinflusst. Das Ergebnis: Das Substituierbarkeitspotential von Tätigkeiten der untersuchten Berufe ist von 2013 bis 2016 deutlich gestiegen. Schließlich wurden zahlreiche digitale Anwendungen weiterentwickelt, die es möglich machen, noch mehr Arbeitsschritte maschinell ausführen zu lassen – zumindest theoretisch. Denn die Beschäftigung hat sich im gleichen Zeitraum nur leicht zurückentwickelt. Nur, weil das Potential besteht, manche Tätigkeiten von Maschinen statt Mitarbeitenden ausführen zu lassen, wird es noch lange nicht gemacht. Aus ethischen oder aus rechtlichen Gründen zum Beispiel oder weil es genug Einzelfälle gibt, in denen spontan und intuitiv entschieden werden muss, was aktuell keine Maschine kann. Und natürlich auch, weil die menschliche Arbeit in vielen Fällen eben doch (noch) qualitativ hochwertiger ist als es der maschinelle Counterpart wäre.

Wie sollten wir also mit der Digitalisierung im Arbeitsmarkt umgehen? Zuerst einmal sollten wir sie nicht als Damoklesschwert sehen, das unheilvoll über Arbeitsplätzen und Branchen hängt. Wir müssen Digitalisierung vielmehr als Chance begreifen, die sie ist und dort einsetzen, wo sie uns hilft. Bestehende Berufsbilder und Branchen fallen dadurch nicht zwangsläufig weg, aber sie bedürfen einer kontinuierlichen Anpassung. Nicht der Arbeitsmarkt um uns herum ändert sich, während wir passiv in der Mitte stehen – wir sind der Arbeitsmarkt und wir sorgen für genau die Änderungen, die den Markt voranbringen. Dazu muss man den Geist öffnen und größer denken: Mitarbeitern stupide Tätigkeiten beibringen, die auch eine Maschine erledigen kann? Humbug! Für Arbeitgeber und übrigens auch für Arbeitnehmer. Viel wichtiger ist es doch, Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Teamarbeit zu fördern; Selbstmanagement und Kooperationsbereitschaft – und dazu: übergreifendes, fachliches Wissen, das flexibel eingesetzt und angewendet werden kann. Denn das sind genau die Kompetenzen, die die Wirtschaft im 21. Jahrhundert braucht. Im Übrigen ist es auch genau das, was mein Team von Conzima bereits seit einigen Jahren in der täglichen Arbeit umsetzt und Unternehmen empfiehlt, um langfristig zu bestehen: Agilität.

In Bezug auf die Digitalisierung am Arbeitsplatz bedeutet das: Arbeitnehmer in der Logistik sollten davon profitieren, dass Maschinen mittlerweile schnell lernen und flexibel eingesetzt werden können, um ihnen körperlich belastende Arbeit abzunehmen. Arbeitgeber sollten es nutzen, dass uns hochentwickelte Algorithmen die Möglichkeit geben, in der Agrarwirtschaft in Echtzeit für eine bedarfsgerechte Düngung zu sorgen, weil Informationen über das Wetter und den Boden rasend schnell ausgewertet werden können. Sie sollten digitalisierte Lösungen in der Fertigung einsetzen, wo uns zum Beispiel 3D-Verfahren und virtuelle Visualisierungen bei Spezialanfertigungen helfen können. Arbeitnehmer sollten sich die neuen Möglichkeiten in der Bildung zunutze machen, wo digitale Lernplattformen unterstützen können. Corona zeigt das immer noch par excellence. Und wir dürfen nicht vergessen, dass digitale Lösungen uns auch die Möglichkeit geben können, entlegene Regionen anzubinden, Spezialanfertigungen umzusetzen, Optimierungspotentiale aufzudecken – kurz: Wir können durch die Digitalisierung wirtschaftlich richtig vorankommen.

Um noch einmal auf den Arbeitsmarkt zurückzukommen: Bestehende Berufsbilder müssen wir dafür nicht komplett streichen, sondern den neuen Anforderungen entsprechend anpassen – und Mitarbeitende in Zukunft entsprechend anders schulen. Denn wo die Technik uns Arbeit abnimmt, lässt sie gleichzeitig auch neue Arbeit entstehen. Durch Installations-, Optimierungs- und Wartungsarbeiten. Durch das Bedienen und Justieren von Maschinen und durch gekonntes Zuarbeiten. Das muss gelernt sein. Vor allem aber erfordert es ein offenes Mindset und eine gewisse Flexibilität.

Schließlich ist die Digitalisierung bei weitem nicht die einzige und nicht die letzte Herausforderung, die die Gesellschaft im Allgemeinen und den Arbeitsmarkt im Speziellen umtreibt und umtreiben wird. Ein viel brisanteres Thema ist zum Beispiel der Klimawandel und die damit verbundene Energiewende. Das Stichwort der Stunde ist daher Agilität. Diese sollten wir uns zunutze machen – persönlich, im Unternehmen und in der Gesellschaft. Und das ist wahrscheinlich eine viel größere Herausforderung, als das Digitalisieren von alten Berufsbildern.

Mit dem Thema Agilität hatte ich mich übrigens auch schon in den Blogposts zur Arbeitskultur 2.0 und Soccer, Snacks, Sabbatical befasst.

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